Die Schatzkiste

Aus Landschaftsgeschichten
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Eine Kurzfassung dieser Geschichte findet sich hier.

Die Schatzkiste. Foto: Anneliese Gierer

G'schichtl

Östlich von Pöggstall erhebt sich der Hinterberg mit dem Mandlgupf. Laut einer Sage ist das Innere des Berges hohl und gefüllt mit Schätzen. Auf der Suche nach diesen Schätzen und mit einer geologischen Karte ausgerüstet, zog ich los um diese Schätze zu finden.

Auf einen Forstweg hinauf auf den Mandlgupf fand ich eine etwa 4m hohe Felsenwand. Das Gestein, das zu sehen war, brach in großen Platten aus der Wand. Gneis mit Amphibolit-Lagen stand in meiner Karte. So kletterte ich hinauf und entdeckte ein Bohrloch. Hier hatte wohl schon jemand eine Gesteinsprobe genommen. Diese Steine waren abwechselnd weiß und schwarz, einfach wunderbar anzusehen.

Ein Gneis-Fundstück wanderte in meine Schatzkiste.

Auch Marmorvorkommen gibt es auf den Mandlgupf. Leider habe ich nur kleine Mengen an Marmor gefunden. In Loibersdorf bei Pöggstall gab es früher Kalköfen, in denen der Marmor gebrannt wurde. Marmor ist kalkhaltiges Gestein das in Öfen zu Branntkalk umgewandelt wurde. Mit Wasser gelöscht und in Gruben eingesumpft, erreicht dieser Kalk nach Jahren seine beste Qualität. Auf der Suche nach diesen Kalköfen in Loibersdorf habe ich eine Abbaustelle entdeckt, die direkt aus dem Berg kommt. Daneben der erste Ofen, in dem Kalk gebrannt wurde.

Ein Marmor-Fundstück wanderte in meine Schatzkiste.

Nördlich von Loibersdorf wanderte ich Richtung Strassreith. Dieser Weg, den ich ging, war von Gewittern ausgeschwemmt. Und sichtbar inmitten des Weges: eine Graphitader. Graphit wurde in einem Bergwerk bei Strassreith jahrelang abgebaut. Der Graphit wurde aus dem Bergwerk zum Loibersdorfer Bachl gebracht. Dort befand sich die Aufbereitungsanlage, von der heute nur mehr Grundmauern erhalten sind. Der Graphit wurde dann gelagert und in Fässern abtransportiert. Dieses Material war in der Zeit des Krieges so wertvoll, dass Fassbinder nicht einrücken mussten, da die Fässer für den Transport benötigt wurden.

Ein Graphit-Fundstück wanderte in meine Schatzkiste.

Lehm und Ton entsteht durch Verwitterung aus Fest- oder Lockergesteinen. So gab es einst in der Nähe des Mandlgupfes eine Ziegelbrennerei. Mühevoll wurde der vorhandene Lehm in Formen geschlagen. Diese Ziegel nannte man Handschlagziegel, die gebrannt werden mussten. Erinnerungstücke lassen erahnen, dass diese Arbeit nicht immer so einfach war. So ist ein Ziegel etwas verbrannt, der nächste etwas verzogen und der dritte wunderbar gelungen. Diese Ziegelbrennerei gibt es nicht mehr. Dennoch wird Ton immer noch verwendet, um Geschirr aus Erde herzustellen: a Iada's Gschia, Blumentöpfe, Guglhupfmodln, Mostbluza, Schmoizthesn...

Ein Lehm-Fundstück (Ziegel) wandert in meine Schatzkiste.

Bei einem Spaziergang im Frühling nahe des Mandlgupfes, fiel mir Schotter auf, der auf einem Acker lag. In der Geologischen Karte wird dieser Schotter als Streitwiesener Schotter bezeichnet, nach dem ersten Fundort. Dieser Schotter wurde von einem Fluss, der 20 mal mehr Wasser führte als die heutige Donau, von Grein in OÖ über St. Oswald, Laimbach, Pöggstall, Raxendorf bis nach Spitz transportiert. Bei Hochwasser erreichte dieser Fluss enorme Ausmaße, noch immer sind die Uferzonen wie Höhenschichtlinien sichtbar.

Ein Schotter-Fundstück wandert in meine Schatzkiste.

In meiner Schatzkiste habe ich nun so manchen Stein vom Mandlgupf und Umgebung. Diese Steine können Geschichten erzählen, denn sie begleiten uns in vielfältiger Form durch das Leben.

Quelle

Anneliese Gierer