Die Ratschenschrecke

Aus Landschaftsgeschichten
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Die Rotflügelige Schnarrschrecke hat karminrote Hinterflügel mit schwarzen Endspitzen. Foto: Günther Wöss
Die Körperfarbe der "Teufelsschrecke" kann schwarz bis hellgrau sein. Foto: Günther Wöss


G´schichtl

Wie ihre Schulkollegen ziehen David und Lukas in der Osterwoche begeistert als Ratschenkinder durch das Dorf. Weil die Glocken ja am Palmsonntag bekanntlich nach Rom fliegen, müssen die Ratschenkinder die Ratschen kräftig drehen, um den fehlenden Glockenklang zu ersetzen.

Im Sommer ist die Osterwoche lang vergessen, da hört David bei einer Wanderung mit den Eltern plötzlich ein leises Ratschen aus der steinigen Weide – als wenn weit entfernte Ratschenkinder dort ihre Holzratschen drehen würden. Immer neugierig, muss er dem natürlich nachgehen. Bevor die Eltern noch reagieren können, kriecht er unter dem Stacheldraht durch, Lukas natürlich sofort hinterher. Beide erschrecken fürchterlich, als plötzlich direkt vor ihnen ein schwarzes Tier mit grellroten Flügeln auffliegt, eine Runde dreht, wieder landet und sofort verschwunden ist. David als der ältere muss natürlich Mut beweisen und er läuft zur Stelle hin, wo das Tier gelandet ist – wieder fliegt es knatternd auf und die roten Flügel blitzen. Jetzt ist Lukas dran! Etliche Male geht das wieder so, bis sie das Tier endlich entdecken – es ist eine Heuschrecke! Aber nicht grün und schlank wie Flip, der Freund von Biene Maja, sondern kohlschwarz und aus der Nähe fast wie ein gut gepanzerter Ritter aussehend. Kein Wunder, dass dieses Tier so bedrohliche Geräusche von sich geben kann. Die Eltern haben auch keine Ahnung, was das sein soll, aber heutzutage hat ja jedes Ratschenkind ein Smartphone und so kann David gleich nach der Ratschenschrecke googlen. Rotflügelige Schnarrschrecke heißt sie in Wirklichkeit und manchmal wird sie wegen ihrer Färbung auch Teufelsschrecke genannt.

„Cool, die Ratschenschrecke ist eine Teufelsschrecke – das hätten wir uns doch gleich denken können, so gefährlich wie die ausgesehen hat!“ ruft Lukas und die Brüder kommen sich richtig mutig vor, dass sie eine Teufelsschrecke aus der Nähe gesehen haben.

Zielgruppe

Kinder, Jugendliche, Insektenfreunde

Broschüre: "bis 14 Jahre"

Anwendung: Sommer

Botschaft

Wer seiner Neugierde nachgibt, kann so manch seltenes Tier entdecken!

Zusatz-Info

Die Rotflügelige Schnarrschrecke Psophus stridulus ist eine leider immer seltener werdende Bewohnerin magerer Wiesen, Weiden und steiniger Böschungen und vor allem in der Montanstufe der Kalkalpen zu Hause. Offene Bodenstellen und niedrige Vegetation sind für die wärmeliebende Art sehr wichtig. Nutzungsaufgabe und Verbuschung von Magerwiesen und Weiden, aber auch Lebensraumverlust durch Nutzungsintensivierung und verstärkte Düngung sind die Hauptgefährdungsursachen. Im Ötschergebiet findet man sie noch an manchen Stellen, vor allem an sonnigen Südhängen. An Stelle des normalen Heuschreckenzirpens von Feldheuschrecken führen die Männchen Schnarrflüge durch, bei denen sie mit den Hinterflügeln klappernde Geräusche erzeugen, aber auch die Weibchen können ähnliche Geräusche im Sitzen machen. Die aufleuchtenden roten Hinterflügel und das Schnarren sollen möglicherweise Feinde abwehren, wahrscheinlich haben sie aber auch eine Bedeutung bei der Balz, die meistens von einem Rundflug eingeleitet wird

Quelle

Erfundene Geschichte, Eva Karner-Ranner

Quellen: Peter Detzel: Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1998

Lisbeth Zechner: Rotflügelige Schnarrschrecke in Zuna-Kratky et. al: Verbreitungsatlas der Heuschrecken und Fangschrecken Ostösterreichs, Verlag des Naturhistorischen Museums Wien, 2009.

Armin Landmann und Thomas Zuna-Kratky: Die Heuschrecken Tirols. Beerenkamp Verlag, Wattens und Wien, 2016