Die Iriswiese am Jauerling - die letzte ihrer Art

Aus Landschaftsgeschichten
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Sibirische Schwertlilie Iris sibirica. Foto: E. Mayer
Wiese mit Sibirischen Schwertlilien. Foto: E. Mayer


G’schichtl

Eine Feuchtwiese eingerahmt von intensiv genutzten Christbaumkulturen ist die letzte Oase der Sibirischen Schwertlilie oder WiesenirisIris sibirica – am Hochjauerling unweit des Schiliftes. Der Name Iris sibirica bezieht sich auf ihr Verbreitungsgebiet bis nach Sibirien.

Auf diesem Fleckchen Wiese, in einem feuchten, moorigen Milieu findet sie ideale Bedingungen vor, da sie wild vor allem auf nährstoffarmen, feuchten oder nassen bzw. sumpfigen Böden in voller Sonne oder auf halbschattigen Standorten gedeiht. Im Frühjahr und Sommer lebt sie in unmittelbarer Nachbarschaft mit Breitblättrigem Knabenkraut, Schlangenknöterich, Maiglöckchen, Flatterbinse, Breitblatt-Wollgras und anderen Feuchtwiesen- bzw. Wechselfeuchtwiesenbewohnern.

Wer die Blüte der Sibirischen Iris genauer betrachtet, weiß wohl, warum sie zu den schönsten einheimischen Wildblumen zählt. Ende Mai bzw. Anfang Juni ragen die ersten blauen, dicht gerollten Knospen auf den graugrünen Stengeln in den Himmel. Wie ein Schmetterling seine zu eng gewordene Puppenhülle abstreift, streifen die Irisblätter die nicht mehr benötigten Hochblätter ab. Von der Mitte aus entfalten sie allmählich drei Blütenblätter, diese schlagen einzeln nach außen auf und senken sich zur Seite. Drei weitere Blütenblätter bilden eine hochstehende Krone, sie formen den Dom. Dieses formvollendete Gebilde einer Blüte steht dann bereit für seine eigentliche Aufgabe der Arterhaltung und der Fortpflanzung. Als Belohnung für ihre Bestäubungstätigkeit wartet auf Hummeln und Bienen eine „Götterspeise“ an Nektar, zu dem sie erst in das Nektarium vordringen können, nachdem sie sich auf den Barthaaren der hängenden Blütenblätter niedergelassen, mit Blütenstaub am Rücken beladen und diesen an der blumenblattartigen Narbe abgestreift haben. Was nach außen hin als eine einzige Blüte erscheint, ist ein architektonisch komplexes Gebäude mit den Zugängen zu drei Etagen – dem Dom, dem Nektarium und der Hängeblattebene. Dom- und Hängeblätter sind einzeln frei beweglich. Nur die „Nagel“ genannten Schlundabschnitte sind verwachsen, wie auch die Narbenblätter, die das Nektarium überwölben. Ihre unwiderstehliche Schönheit und Anziehungskraft für ihre Bestäuber untermalt die Iris noch kontrastreich durch die gebänderten „Saftmale“ an den Hängeblättern. Der Fruchtknoten der Irisgewächse ist unterständig und wird kaum wahrgenommen, weil die Blüte in ihrer Pracht die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nach vollbrachter „Hochzeit“ lassen sich die Domblätter fallen und werden in einer Spiralbewegung von den hochgeklappten Hängeblättern überstülpt und gepresst, um dem Fruchtknoten genügend Feuchtigkeit und Nahrung zukommen zu lassen.

Der zahn- und kerbenlose Blattrand wirkt wie mit einem scharfen Messer geschnitten. Die säbel-, sichel- oder lanzenförmig gekrümmten Blätter haben diesen Pflanzen zu dem Namen „Schwert-Lilie“ verholfen. Diese markante Form erkennt man unverwechselbar bei vielen Kulturformen, Wieseniris hingegen haben schmale, grasartige Blätter.


Wie oft sich das Schauspiel der blauen Blüte dieser kleinen mit Sibirischen Iris üppig bewachsenen feuchten Wiese am Hochjauerling noch wiederholen wird, bleibt abzuwarten. Die intensive Nutzung der benachbarten Flächen, die durch Drainagierung trockengelegt wurden, ist wohl der als Naturdenkmal ausgewiesenen Fläche nicht wirklich zuträglich. Die Sibirische Iris ist in ihrem natürlichen Vorkommen stark gefährdet und gilt daher als besonders schützenswert.

Zielgruppe

Botaniker und Pflanzenfreunde, aber auch Naturschützer und Insektenbegeisterte Broschüre: "ab 14 Jahren"

Botschaft

Sibirische Schwertlilien sind wunderschön und zudem eine wertvolle Wildbienenweide, aber in ihrem natürlichen Vorkommen sind sie stark gefährdet!

Quelle

Verfasst von Eva Mayer

KIEHS-GLOS Christina: IRIS Eine Heilpflanze verwandelt das Wasser; aethera im Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH 1. Aufl. 1999

HESSE Hermann: IRIS handgeschrieben und illustriert von Peter DORN Lizenzausgabe des Suhrkamp Verlages aus MÄRCHEN Copyright 1955; Copyright der Illustration: Verlag DIE SILBERSCHNUR GmbH 4. Auflage 2004 Güllesheim

https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirische_Schwertlilie, Abfragedatum: 22. 8. 2017