Der Vater des Schlafes

Aus Landschaftsgeschichten
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Blüte des Schlafmohns. Foto: Christian Nagl
Samenkapsel des Schlafmohns. Foto: Christian Nagl
Bunte Mohnfelder färben die Ottenschlager Region rosa-rot-violett. Foto: Christian Nagl

G'schichtl

Bei einer Sommerwanderung durch die Gegend rund um Ottenschlag im Waldviertel fühle ich mich kurzerhand wieder in die Schulzeit zurückversetzt. Die rosa-violetten Blumenfelder lassen meine Gedanken schweifen und erinnern mich an die Texte des römischen Schriftstellers und Dichters Gaius Plinius Secundus und die vielen Stunden, die ich damit verbracht habe, Texte aus seinem naturwissenschaftlichem Werk, der Naturalis historia, vom Lateinischen ins Deutsche zu übersetzen.

Schon Plinius hat von den Einsatzmöglichkeiten der rosa-violett blühenden Pflanze gewusst. Auf den bunten Äckern wächst nämlich ein Alleskönner: Papaver somniferum. Die erste Frage ist zu Recht: „Papa wer, somni was?“ Natürlich fragt man sich auch: „Und was kann die Pflanze nun?“

Die Rede ist von Schlafmohn. Der Gattungsname Papaver bezieht sich auf pappare, was aus dem Lateinischen übersetzt „essen“ bedeutet, „pappas“ bedeutet Brei. Übersetzt man den Artnamen somniferum, erhält man „schlafbringend“. Angeblich haben die Römer Mohnsaft in Brei eingerührt, um die Kinder zu beruhigen oder zum Schlafen zu bringen.

Ich sehe mir die Samenkapsel eines unreifen Schlafmohns genauer an. Während ich die grüne Kapsel studiere, sagt jemand hinter mir: „Des is fria als Mohnzutz verwendt wurdn.“ Eine nette, ältere Dame erklärt mir weiter, dass man früher die Samen oder die unreifen Samenkapseln in ein Tuch einschlug und den Kleinkindern zum zutzeln gab, um sie ruhig zu stellen. Schlafmohn enthält in etwa 40 unterschiedliche Alkaloide, darunter auch Morphin, welches auch in der Medizin als Schlaf- und Schmerzmittel eingesetzt wird. Unter vorgehaltener Hand erzählt sie mir auch, dass in warmen Ländern aus den unreifen Samenkapseln Opium gewonnen wird. Beim Verabschieden drückt sie mir noch eine selbstgebackene Mohnzelte in die Hand und lässt mich wieder mit meiner Schlafmohn-Samenkapsel alleine.

Diese Pflanze hat es in sich. Schlafmittel, Schmerzmittel, mancherorts Rauschmittel und Lebensmittel in einem. Ein Alleskönner eben!

Zielgruppe

ab 14 Jahren

Botschaft

Schlafmohn ist vielseitig!

Zusatz-Info

Ein naher Verwandter des Schlafmohns ist der Klatschmohn (Papaver rhoeas). Diese Pflanze ist leicht giftig, allerdings ist der Alkaloidgehalt weitaus geringer als der des Schlafmohns. Klatschmohn enthält kein Morphin.

In Österreich ist der Anbau von Schlafmohn erlaubt (im Gegensatz zu Deutschland), Hauptanbaugebiete liegen im nördlichen Oberösterreich bzw. Niederösterreich (Waldviertel). Der dort angebaute Kulturmohn enthält nur geringe Mengen von Opiaten. Allerdings können bereits geringe Mengen zu einem positiven Drogentest führen!

Quelle

Original von Christina Nagl

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/04040.html

https://www.botanikus.de/Botanik3/Ordnung/Klatschmohn/klatschmohn.html

http://www.mohndorf.at/